Spinalonga

An der Nordspitze der Halbinsel Spinalonga liegt die gleichnamige kleine Felseninsel (Kalidon; Ichaal 200x400 m), die von Elunda und Ägios Nikolaos mit dem Boot zu erreichen ist. Ihre Festung, eine der bedeutendsten Kretas, wurde 1579 von den Venezianern errichtet, um den Hafen von Elunda zu schützen.
Sie galt als uneinnehmbar. So blieb sie nach der Eroberung Kretas durch die Türken (1669) noch in der Hand der Menezianer und war für viele Kreter ein Zufluchtsort vor den neuen Herren.

Schließlich kam die Festung 1715 durch einen Vertrag an die Türken und blieb bis 1898 in deren Besitz.

Von 1903 bis 1957 bestand hier eine Leprastation. Wie fast überall auf der Welt wurden die Aussätzi­gen aus der Gemeinschaft ausgestoßen und gezwungen, hier isoliert zu leben und zu sterben. Sie übernahmen die Häuser der Türken, die vor ihnen geflohen waren.
Es bildete sich eine Art Gemeinwesen heraus. Es kam sogar zu Eheschließungen; die gesunden Kinder wurden in ein Waisenhaus aufs Festland gebracht. Erst 1937 wurde ein Krankenhaus errichtet. 1957 löste man die Leprastation auf und brachte die letzten Aussätzigen in ein Krankenhaus nach Athen. Seither ist die Insel unbewohnt.

Am Südende der Festung (geöffnet Di. -So. 8.30 -15.00 Uhr) da, wo die Boote mit den Besuchern anlegen, steht auf der linken Seite die Bastion Riva, unter der ein Gang ins Innere führt, und rechts die Bastion Dona mit dem Friedhof der Leprastation.

Auf dieser östlichen Seite lag die Hauptverteidigungslinie mit den Bastionen Scaramella und Molino. In der Mitte auf halber Höhe sieht man das starke halbrunde Mocenigo-Bollwerk, in dem eine Geschützbatterie (1630 waren es 35 Kanonen) untergebracht war.
Auf einer Felsplatte vor ihrem Eingang sind zahlreiche einfache Zeichnungen wie Segelschiffe und Wappen eingraviert, die wohl von den Leprakranken stammen.

Eine zweite Mauer verläuft auf dem Bergkamm. Im Westteil befinden sich Häuser und Magazine sowie das Haupttor. Die Nordspitze war von der Bastion St. Michael geschützt.


Das ehemalige Fischerdorf 5 km nördlich von Elunda ist ein touristisch aufstrebender Badeort mit allen unangenehmen Begleiterscheinungen wie Bauruinen und Zersiedelung geworden. Man kann hier aber in der schönen weiten Schotterbucht ausgezeichnet surfen. Zudem besteht die Möglichkeit, mit Booten zur Insel Spinalonga überzusetzen.

 

Festung Spinalonga

Mocenigo-Bollwerk

Das gewaltige Südbollwerk bekam den venezianischen Löwen beim Bau „verpasst“.

 

 



Der alte Haupteingang

Mit Anlegeplattform an der Westseite




Soldatenhaus

 

 



Neueres Haus aus der Zeit als Leprastation; davon gibt es drei Stück.
Älteste Doppelkirche der Welt! Links die katholische Hälfte, rechts die orthodoxe.

In der Kirche wurden gleichzeitige Messen abgehalten. „Frühe Ökumene“
In der Zeit der Leprastation war dies die Trauerkirche auf der Ostseite der Insel.

 

 



Eine Kirche für Hochzeiten wurde extra auf der anderen, der Westseite gebaut.



Ganz in der Nähe von SPINALONGA liegt die Stadt ELUNDA. Dort gibt es am Übergang zur eigentlichen Halbinsel SPINALONGA, die mit der Festungsinsel an ihrem Nordrand damals verbunden war, eine „versunkene Stadt“. Die Verbindung mit dem damaligen Festlandsteil, der Halbinsel wurde beim Festungsbau künstlich unterbrochen, damit Schiffe in die Irre geführt wurden. Erstens kam niemand über das Wasser schnell an die Insel heran, wollte man aber die Insel von 2 Seiten unter Beschuss nehmen, so liefen die Schiffe in der neuen „Fahrrinne“ schnell auf zahlreiche, knapp unter der Wasseroberfläche liegenden scharfen Felsen auf und wurden so ein Opfer der schweren Festungskanonen.

 

Dort liegt die versunkene Stadt. Das einzige was noch hervorschaut sind drei auf einem Hügel gebaute Mühlen.

Das Holz ist vergammelt, die Steinmauern sind schwach unter dem Wasser zu erkennen.




Diese Reste stammen von der antiken Stadt Olus („versunken“). Um Christi Geburt war sie als Seeräubernest verschrien. Vermutlich im 4. Jahrhundert senkte sich die Landenge durch Erdbewegungen ab, so dass Teile von Olus versanken.

Die Bucht vor der Stadt war bis zum 2. Weltkrieg Zwischenstation für die Postflieger des britischen Emperiums, die so die Verbindung nach Indien hielten. Hier landeten die Wasserflugzeuge, wurden aufgetankt und versorgten in Krisen nebenbei die Truppen auf Kreta.

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